Solvabilität.

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Assekuranz auf sicherem Fundament

Die Ausstattung der Versicherer mit Eigenmitteln liegt trotz Finanzkrise weit über den Anforderungen der Aufsichtsbehörde BaFin. Selbst frühere Wackelkandidaten haben in der Krise Speck angesetzt. Auch die unter scharfer öffentlicher Beobachtung stehenden Lebensversicherer haben ihr Solvabilitätspolster wieder ausgebaut, zeigt die Analyse „Solvabilität im Vergleich 2000 bis 2010“ des Marktbeobachtungsdienstes map-report (Nr. 744 – 745; kostet 75 Euro; Bestellung unter www.map-report.com) unter insgesamt 88 Gesellschaften (2008: 115).

Waren 2008, im Jahr der Bankenkrise, die Solvabilitätsmittel der Lebensversicherer noch um 3,6 Milliarden Euro zurückgegangen, wurden die Sicherheitsmittel 2009 um über 414 Millionen Euro leicht aufgestockt und betragen jetzt fast 56 Milliarden. Allerdings ist die Solvabilitätsquote zurückgegangen: Von 195,7 Prozent der von der BaFin geforderten Mittel auf nunmehr 190,4 Prozent – siehe Tabelle. „Die Anforderungen der Aufsicht sind schneller gewachsen als die bereitgestellten Mittel der Gesellschaften“, sagt Chefredakteur Manfred Poweleit.

Hintergrund dürfte der massiv gestiegene Absatz von Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag sein, der die Deckungsrückstellung aufbläht und damit die Anforderungen an Solvabilitätsmittel erhöht, so Poweleit. Diese Entwicklung gibt aber noch keinen Anlass zur Sorge, müsse aber beobachtet werden, was die BaFin auch tut, aber darüber öffentlich nichts bekanntgibt. Die höchsten Solvabilitätsquoten der Lebensversicherer zeigen PBV Leben (351 %) vor Mecklenburgische (341 %), Fortis Deutschland (336,9 %) und LVM (267,5 %). Marktführer Allianz liegt mit 234,9 Prozent auf Rang 8.
Das wichtigste Instrument bei der Aufsicht von Banken und Versicherungen ist die Solvabilität. Der Staat definiert, wie viele Eigenmittel die Marktteilnehmer bereithalten müssen, um ihren Geschäften nachgehen zu können. Es wird erwartet, dass die Solvabilität mindestens 100 Prozent der geforderten Größe entspricht. Nähert sich diese Quote – von oben – zu sehr dieser 100-Prozent-Marke, wird in der Regel die BaFin aktiv. So gesehen muss man sich theoretisch am ehesten um HDI-Gerling Leben und den Schadenversicherer Adler Gedanken machen, die knapp 130 Prozent der von der BaFin geforderten Solvabilität aufweisen.

Die privaten Krankenversicherer haben ihre Solvabilitätsmittel 2009 um fast 430 Millionen auf gut 4 Milliarden Euro aufgestockt. Das entspricht 233,7 Prozent der geforderten Summe (2008: 212,3 %). Dagegen erlebt die gesetzliche Krankenversicherung derzeit den Beginn einer Pleitewelle. Höchste Solvabilitätsquoten weisen Inter mit 486 Prozent, Continentale (378 %) und Hallesche (327 %) auf.

Auch die Schaden- und Unfallversicherer konnten ihre Solvabilitätsquote verbessern – von 289,8 auf 325,4 Prozent. Allerdings ist die Solvabilität absolut zurückgegangen: um 2,32 Milliarden auf 25,4 Milliarden Euro. Die höchsten Solvabilitätsquoten der Schaden- und Unfallversicherer zeigen DEVK aG mit sagenhaften 1.987 Prozent, Süddeutsche (1.727 %) und HUK-Coburg aG (1.091 %).

Man darf annehmen, dass weniger erfolgreiche Unternehmen ihre Angaben verweigerten. Lebensversicherer wie Deutscher Ring blieben nicht zum ersten Mal die Angaben schuldig. „Sie sind offensichtlich nicht an Transparenz für Vermittler und Kunden interessiert“, kritisiert Poweleit. Dafür gaben diesmal AXA und Nürnberger ihre frühere Zurückhaltung auf – mit allerdings unterdurchschnittlichen Ergebnissen in der Lebensversicherung.

Detlef Pohl
VI-Report 25/2010, 29.06.2010

Zusätzliche Medien:

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Versicherer mit den geringsten Solvabilitätsquoten 2009.  Downloaden