Kostentransparenz.
Totales Marktversagen
„Eine Kostentransparenz bei Basis-Rentenversicherungen besteht nicht. Die Ergebnisse lassen sich auf andere Rentenversicherungen übertragen.“ Das ist die zentrale Aussage der Studie „Kostentransparenz bei Basis-(Rürup-) Rentenversicherungen – eine empirische Analyse der Kosteninformation in den Produktinformationsblättern und deren Vereinbarkeit mit den gesetzlichen Vorgaben“, die das Institut für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA), Berlin, angestellt hat. Untersucht wurden die Kostenangaben in den Produktinformationsblättern der 50 größten Lebensversicherer.
Die Studie bewertet die Darstellung und Offenlegung der einzelnen Kostenarten nach den Kriterien inhaltliche Richtigkeit, Übersichtlichkeit, Verständlichkeit und Knappheit. „Unter Berücksichtigung sämtlicher in der Studie erhobenen Prüfkriterien und Kostenangaben einspricht keines der untersuchten Produktinformationsblätter vollständig dem Formulierungsvorschlag des Gesetzgebers“, resümiert Mark Ortmann, ITA-Geschäftsführer und Studienautor.
Die Hauptmängel: Kosten würden verschleiert, indem sie in langen Passagen versteckt, in nicht vorgeschriebener Form oder in werblichen Ausführungen dargestellt werden. Verbraucher würden mit nicht notwendigen Zusatzinformationen von der eigentlichen Kostendarstellung abgelenkt. Der Produktvergleich an Hand der Gesamtkosten werde erschwert, weil häufig wesentliche Angaben fehlen. Auch eine Gesamtkostenkennzahl suchten Kunden und Vermittler fast immer vergeblich.
Nur zwei der untersuchten 109 Tarife ragten positiv heraus, so das Studienergebnis: je ein Produkt der Basler Leben und der R+V. Sehr gut seien die Kostendarstellungen von Alte Leipziger, LV 1871 und Standard Life, mit Abstrichen auch bei weiteren Tarifen von Basler, Condor, HanseMerkur, Inter und Rheinland Leben. Neun weitere Tarife erhielten noch eine gute Bewertung, darunter alle Tarife von Moneymaxx. Fast die Hälfte aller Tarife liegt im befriedigenden bis ausreichenden Bereich, ein Fünftel ist mangelhaft bewertet worden.
Drei Ursachen hat Ortmann für die anhaltende Kostenintransparenz ausgemacht: Die Versicherer halten sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben. Die Vorgaben des Gesetzgebers lassen den Unternehmen Spielräume bei der Ausgestaltung die Kosteninformationen, die umfangreich und phantasievoll ausgenutzt werden. Und: Die gesetzliche Vorgaben gehen nicht weit genug, weil wesentliche Kostenbestandteile nicht erfasst werden.
Als Folge der Intransparenz komme es zu massiven Fehlanreizen beim Abschluss von Rentenversicherungen, lautet seine Schlussfolgerung. Der Gesetzgeber sei in der Pflicht, das Marktversagen zu beheben. Denn es sei fraglich, ob die Branche zu einer Selbstregulierung in der Lage ist. Das ITA hat ein Muster-Kosteninformationsblatt entwickelt, das neben sämtlichen Kostenangeben in kurzer und präziser Form eine Gesamtkostenkennzahl (Effektivkosten) und eine Effektivrendite ausweist und so einen übergreifenden Vergleich verschiedene Produkte erlaubt.
Die vollständige Studie kann beim ITA zum Preis von 1.890 Euro unter www.ita-online.info erworben werden.


